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Sonntag, 2. Dezember 2012

Samba im Regenwald

Die Einreise für Europäer ist in Brasilien zum Glück kein Problem. Als Tourist muss man nur ein dünnes Stück Durchschreibepapier ausfüllen, bekommt seinen Stempel in den Pass und kann einreisen. Wie wir später in Rio erfahren haben, benötigen US Amerikaner und Kanadier ein Visum. Und das scheint gar nicht so einfach zu bekommen zu sein.
Nach dem Abholen vom Gepäck ging es dann erst mal zur Mietwagenfirma. Leider konnten wir das Auto, dass wir gerne gehabt hätten nicht vorreservieren, aber mit dem netten Herrn am Schalter konnte wir zumindest einen Kompromiss aushandeln, so dass wir ein Auto bekommen haben, mit dem man auch mal eine unbefestigte Straße befahren kann, ohne dass das Auto gleich Schaden nimmt.
Nachdem uns ein Shuttelbus zum Mietwagenparkplatz gebracht hat, haben wir noch versucht jemanden zu finden, der uns sagen kann, wie wir nach Capao Bonito gelangen. Leider kannte keiner den Ort und auch den Intervales Nationalpark kannte dort keiner. So mussten wir uns auf unser GPS und die darauf befindliche Straßenkarte verlassen.
Im Prinzip funktioniert dass auch ganz gut, sofern die Straßen „normal" gebaut sind. Also eine Straße gerade aus und dann gehen vielleicht mal Straßen nach rechts oder links ab. Aber was ist schon normal?
Das GPS erzählte uns schon was von „links halten" oder so. Aber die Straßen in Sao Paulo sind verwirrend gebaut. Dort laufen zum Teil vier Autobahnen parallel nebeneinander, nur mit einer Betonbarriere voneinander getrennt. Alle paar Kilometer ist mal eine Öffnung in der Leitplanke und man kann auf einem kurzen Stück zwischen den Autobahnen wechseln. Das Problem ist vor allem, dass es passieren kann, dass eine der Spuren plötzlich auf eine Brücke geleitet wird und unvermittelt links oder rechts abbiegt. So war es sehr spannend, ob wir nun jeweils auf der richtigen Spur unterwegs waren oder irgendwo landen würden, wo wir nicht hinwollten.
Aber wir hatten Glück und sind zwar nicht auf dem direktesten Weg ans Ziel gekommen, aber doch ohne große Umwege.
Jedem, der hier unterwegs ist, sei empfohlen, sich entweder Reais mitzunehmen oder am Flughafen zu tauschen. Unterwegs auf den Schnellstraßen werden abschnittsweise immer wieder Straßengebühren in bar fällig. Dafür sind die Straßen aber auch in einem Top-Zustand!

Nach kurzer Suche im Zielort haben wir dann unser Hotel gefunden, das ein vor Ort lebender Cacher dankenswerter Weise für uns gebucht hatte, da wir weder eine Emailadresse hatten, noch des Portugiesischen mächtig sind, um per Telefon ein Zimmer zu reservieren.
Trotz „des besten Hotels im Ort", war die Zimmerausstattung eher spartanisch, aber es war (für Deutsche immer ganz wichtig) sehr sauber und total ruhig gelegen mit Blick auf die umgebenden Weiden mit Pferden und Rindern.
 
Nach einem guten Abendessen im Hotel ging es dann ins Bett und am nächsten Tag auf in den Nationalpark zum letzten Project A.P.E.-Cache.

Der Weg in den Park, der den letzten vorhandenen Atlantischen Regenwald in Brasilien schützt, ist zwar nicht weit, braucht aber trotzdem einige Zeit, da es sich bei dem ganzen Weg um einen Feldweg mit entsprechenden Schlaglöchern handelt. Außerdem gibt es auf dem Weg auch Brücken aus Holz, wie man sie aus einschlägigen Abenteuerfilmen kennt. Diese Brücken brechen dort in der Regel unter oder hinter einem zusammen.
Katja meinte noch: „willst Du wirklich da drüber fahren?". Aber was sollten wir machen? Es gibt nur diesen einen Weg. Die Brücken haben auch gehalten.

Im Park hatten wir uns mit Junior verabredet, der hier die Caches betreut und uns auch bei der Hotelreservierung geholfen hat. Junior ist noch relativ jung, arbeitet im Park als Ranger und in der Verwaltung und spricht als einziger weit und breit Englisch, das er während eines mehrjährigen Aufenthaltes in London gelernt hat.
Da es Katja nicht so gut ging, hat sich Junior bereit erklärt mich in den Urwald zu begleiten, da Katja nicht mitkommen konnte und ich nicht alleine durch den Regenwald laufen wollte. Er war unheimlich schnell unterwegs und ich hatte Probleme ihm zu folgen, aber dafür musste wir nicht lange nach den Wegen suchen, die als solche nicht unbedingt immer erkennbar waren. Wenn man den Weg kennt, schafft man die Strecke hin und zurück locker unter einer Stunde. Wenn man selber suchen muss, kann es schon mal ein paar Stunden dauern. Und dann waren wir da, der letzte noch aktive Project A.P.E. Cache!

Wieder zurück gab es erst mal in einem kleinen Restaurant im Park typisch brasilianisches Mittagessen, so etwas wie einem Eintopf aus schwarzen Bohnen mit Hühner und Rindfleisch mit Tapioka-Bröseln und (was in Brasilien zu jedem Essen gehört) mit Reis und frittierten Kartoffelstücken.
 
Anschließend haben wir uns wieder mit Junior, dessen Mutter im Park wohnt und arbeitet,  getroffen und er hat uns noch ein paar weitere Caches im Park gezeigt. Der Park ist eigentlich nicht berühmt wegen seiner Caches sondern wegen seiner Höhlen und seinen seltenen Vögeln und der unglaublich schönen Natur.

 Auf unserem Weg durch den Park haben wir so z.B. auch an ein Nest von einem „Solitary Tinamou" (zu Deutsch: Grausteißtinamu) mit den typisch leuchtend blauen Eiern gesehen. Oder einen Kolibri (im Park gibt es 14 Arten, davon ein paar sehr seltene), der vorbeiflog und ein paar Sekunden direkt vor mir in der Luft stand, um mich zu betrachten. Jetzt weiß ich auch warum der Vogel im Englischen „Hummingbird" genannt wird, da der Ton, den die Vögel durch den schnell Flügelschlag erzeugen wenn sie in der Luft stehen, tatsächlich einem ganz charakteristisches Summen gleicht. Und dann gab es an einer Stelle noch Blattschneiderameisen bei der Arbeit, die sich als Weg einen Handlauf ausgesucht haben, um ihre Blattstücke zurück zum Nest zu transportieren.

Den Tag haben wir dann bei Junior, im Haus seiner Mutter bei einer Tasse Kaffee und netten Gesprächen ausklingen lassen, bevor es wieder zurück zum Hotel ging.
 
Am nächsten Morgen ging es dann gleich in der Früh zurück nach Sao Paulo zum Flughafen, um unseren Flug nach Rio zu erreichen.
Wenn man so über Land fährt, fallen einem die vielen Termitenhügel auf, die auf den Kuhweiden zu sehen sind, wie bei uns die Maulwurfshügel. Günstiger weise sind die Einzäunungen, rund um die Weiden aus Stacheldraht an Holzpfosten, so dass die Termiten auch genug Futter finden.
Der Weg nach Sao Paulo war gut zu finden, in Sao Paulo sind wir dann wieder auf die parallelen Autobahnen getroffen, bei denen wir wieder nicht wussten welche, der zum Teil 4 Parallelfahrbahnen, wir nehmen mussten. So blieben natürlich auch ein paar Verfahrer nicht aus, da die Straße plötzlich auf eine Brücke führte und abbog. Näher an den Flughafen heran standen dann wenigstens Wegweiser, denen man folgen konnte und so kamen wir dann auch am Flughafen an. Nach Rückgabe des Autos wurden wir dann zum Terminal gefahren, um hier die nächste Hürde zu nehmen: den Login am Automaten.
Normalerweise eigentlich kein Problem, wenn die Software eine weitere Sprache außer Portugiesisch beherrschen würde. Mit Hilfe des freundlichen Airlinepersonals bekamen wir dann aber doch noch unsere Bordkarten und konnten unser Gepäck aufgeben. Wenn man jetzt erwartet, man würde sich wie in Deutschland zurechtfinden, wird man eines Besseren belehrt. Natürlich sind auf einem Inlandflughafen alle Ansagen und alle Fluginformationen nur auf Portugiesisch. So haben wir einen Wechsel des Abfluggates nur mit Mühe mitbekommen. Im Flugzeug selber sind natürlich auch die Sicherheitsvorführungen vor dem Start nur in Portugiesisch, die übrigen Ansagen waren zumindest teilweise in Englisch. Aber auch so kamen wir gut in Rio an. Was wir vorher (zum Glück) nicht wussten ist, dass die Landebahn zwischen Wasser und Wasser gerademal 1200m lang ist. Das war erst aus dem Flugzeugfenster zu erkennen und an der extrem harten Bremsung nach dem Aufsetzen.
 
In Rio muss man sein Taxi an einem Flughafenschalter vorbuchen und auch dort bezahlen. Es gibt mehrere Taxigesellschaften, die wie Marktschreier ihre Dienste anbieten. Anschließend ging es dann direkt ins Hotel, das am Übergang von der Copacabana zu Ipanema gelegen war. Beim Abendessen haben wir dann wieder die Erfahrung gemacht, dass die Portionen in Brasilien viel zu groß dimensioniert sind. Bei der Paella für zwei wären problemlos auch vier Personen satt geworden.
Für den nächsten Tag haben wir uns einen Guide geleistet. Wenn man nur einen Tag in der Stadt ist, wollten wir uns nicht damit herumschlagen, wie man von A nach B kommt, um etwas anzusehen. Vor allem, da Verkehrsmittel wie die U-Bahn kaum ausgebaut ist. Es war praktisch, dass uns Daniel mit seinem Wagen herumfahren konnte. So konnten wir wenigstens in der Kürze der Zeit alle touristisch interessanten Punkte besuchen.
Außerdem spielte das Wetter halbwegs mit. Bei unserer Ankunft in Rio war der Zuckerhut in Wolken verschwunden, genauso wie die Jesusstatue. Aber heute Vormittag war der Zuckerhut tatsächlich mal zu sehen und es hat sich gelohnt mit der Seilbahn auf den Zuckerhut zu fahren, um einen schönen Ausblick auf die Stadt zu haben. Die Seilbahn wurde zwar vor kurzem erneuert, aber die alte Kabine auf der James Bond in Moonraker einmal gekämpft hat, ist noch ausgestellt.

Anschließend ging es in Richtung Innenstadt zur großen Kathedrale. Ein hässliches Ungetüm aus den Siebzigern in Form eines Inka-Tempels (ja, es  handelt sich trotzdem um eine katholische Kirche), das allerdings innen dann doch sehr schön war. Von hier aus haben wir uns dann die Altstadt von Rio zu Fuß näher angesehen. Hier stehen viele alte Häuser aus der portugiesischen Kolonialzeit. Natürlich durfte auch der Besuch in einem historischen Kaffeehaus nicht fehlen, das noch den alten Glanz des beginnenden 20. Jhd. ausstrahlt. Nach einer netten Tasse Kaffee und einem Bananenshake haben wir noch dem berühmten Künstler Selaron einen Besuch abgestattet, der vor einigen Jahren begonnen hat, eine trostlose Treppe hinauf zu einer der Favelas mit Fliesen zu verschönern. Dafür benutzt er vor allem auch Fliesen, die ihm aus der ganzen Welt zugesandt wurden. Nach einem Besuch in seinem Atelier, haben wir den Künstler, der gerne auf seiner Treppe sitzt und sich mit den Touristen unterhält, auch noch persönlich getroffen.
 
 
Die Zeit, die wir in der Altstadt verbracht haben, hat sich doppelt gelohnt, da nun die Wolken abgezogen waren und endlich zum ersten Mal die Christusstatute zu sehen war.
Daher haben wir die Gelegenheit genutzt und sind auch gleich dort hingefahren. Der Berg, auf dem sich die Statue befindet, liegt in einem Nationalpark. Daher kann man nicht direkt hinfahren, sondern wird von einem Shuttleservice mit Kleinbussen bis knapp unterhalb der Statue gefahren. Für die letzten paar Meter hinauf auf die Aussichtsplattform sind in den letzten Jahren Rolltreppen installiert wurden. Sehr angenehm und praktisch.

Nach ausgiebiger Besichtigung haben wir am Fuß der Statue uns noch ein wenig hingesetzt, eine Cola getrunken und uns mir Daniel unterhalten. Während wir da nun für ca. 10 Minuten gesessen haben, kamen die Wolken zurück und nach kürzester Zeit war die Staue wieder komplett in den Wolken verschwunden und wir konnten nicht mal mehr die Füße sehen.

Weiter ging es noch mit einer Fahrt durch den Nationalpark mit ein paar Stopps zum Cachen und an Aussichtspunkten, um noch einmal den einen oder anderen Blick auf Rio zu werfen.
 
Gegen Ende des Tages hat uns Daniel wieder am Hotel abgesetzt und da es noch nicht dunkel war, haben wir noch einen kleinen Streifzug zu Fuß durch Rio unternommen.
Wir waren an einem neu erbauten Eingang zu einer Favela, mit Aufzug, um besser den Berg hinaufzukommen und mit Aussichtsplatform für einen Ausblick auf die Stadt und das Meer. Über den Ipanema Beach ging es dann wieder zurück zur Copacabana, wo wir am Strand noch einen sehr guten Caipirinha als Aperitif mit Blick aufs Meer und die Wolke, die den Zuckerhut eingehüllt hatte, getrunken haben.

 
Am nächsten Tag ging es dann am Vormittag schon wieder zurück zum Flughafen, um unseren Flug nach Sao Paulo  zu erwischen. Hier waren die Anzeigetafeln wenigstens in Portugiesisch und Englisch. In Sao Paulo sind wir erst mal ein wenig cachen gegangen. Allerdings ist Sao Paulo ungemein hügelig, so dass wir nur einen Teil der angestrebten Dosen auch suchen konnten.
Am nächsten Tag haben wir uns noch die beiden Sehenswürdigkeiten angesehen, die Sao Paulo zu bieten hat: eine alte Kathedrale und einen Lebensmittelmarkt, den man in etwa mit dem Viktualienmarkt in München vergleichen kann, allerdings überdacht. Es gibt auch einiges zu essen, die Spezialität ist Pateis de Bacalhau, eine frittierte Teigtasche gefüllt mit Stockfisch, Oliven und Gewürzen.

 
Von hier aus ging es dann wieder zurück zum Hotel, um unsere Koffer zu packen und uns auf den Weg zum Flughafen zu machen.
Am Flughafen angekommen mussten wir kurz am Check-In warten. Schon während wir angestanden haben, hat ein Mann an einem der Schalter riesige Koffer auf das Gepäckband des Schalters gewuchtet. Hinter ihm standen noch etliche weitere Gepäckwagen mit weiteren Riesenkoffern. Beim Aufgeben unseres Gepäcks haben wir dann mal gefragt, ob der Typ für eine Nationalmannschaft einchecked. Nee, tut er nicht, der verkauft Flip-Flops (bzw. Hawaiians, wie sie in Brasilien heißen) in Angola. Die Koffer wären alle voll damit und er würde regelmäßig zum Einkaufen vorbeikommen, war die Antwort. Aha…
Und mit diesen letzten Eindrücken ging es weiter mit dem Flieger, zu unserer letzten Station der Reise, nach Johannesburg, Südafrika.

 

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